Karfreitag, 3. April St.-Katharinen-Kirche Salzwedel 15 Uhr
Sonnabend, 4. April Marienkirche Suhlendorf 16 Uhr
Der Leidensweg Christi, sein Tod am Kreuz sowie der Sieg Gottes über Tod und Leid sind seit jeher eine große Inspirationsquelle. Nirgends sonst treffen Trauer und Verzweiflung so klar auf die Hoffnung auf Erlösung.
So finden sich im Konzert zur Sterbestunde am 3. April um 15:00 Uhr in der Katharinenkirche Salzwedel gleich drei kammermusikalische Werke, die eben diesen Ostergedanken aufgreifen. Es erklingen besonders farbenreiche Kompositionen im Stil der Zeitgenossen und Vorfahren Johann Sebastian Bachs.
In seiner Kantate „Hertz und Augen müssen weinen“ greift der Komponist Mika Ruben Stähle (*1999) das bekannte Osterlied „Christ lag in Todesbanden“ auf. Bereits in der Sinfonia erklingt die Melodie des aus der Feder Luthers stammenden Kirchenliedes. Zu dem Text von Erdmann Neumeister (1671–1756) flicht Stähle eine Musik, die den Hörer zurück in die Zeit der Bachschen Zeitgenossen führt.

Der Tod Jesu am Kreuz überwindet Tod und Sünde, schenkt Vergebung und ermöglicht neues, ewiges Leben. Diese Botschaft vertont Dietrich Buxtehude (1637–1707) in seiner Kantate „Jesu meines Lebens Leben“. Die kurze Sinfonia mit der den Tod symbolisierenden Blockflöte leitet in eine Aria über, in der sich Soli, Chor und Instrumente in einem andächtigen Spiel abwechseln. Beschrieben wird der Dank an Jesus für dessen Leid am Kreuz. Erst in einer vielfachen Dankesbekundung kommen Streicher und Stimmen schließlich zusammen.
„Herr, wende dich und sei mir gnädig“ – der musikalische Dialog von Johann Christoph Bach (1642–1702) beschreibt das Flehen der Menschheit zu Gott im Angesicht des Todes. Johann Christoph Bach, der als herausragendster Komponist der Generationen vor Johann Sebastian Bach gilt, zeichnet hier einen kontrastreichen und beeindruckend vielschichtigen Dialog zwischen Gott und den Menschen. Trotz der Dunkelheit des Todes strahlt dieses Werk Hoffnung und Versöhnlichkeit im Angesicht eines sorgenden Gottes aus. Von breiten Klangflächen der Gamben – die in der Barockzeit ebenso wie Blockflöten für Schlaf oder Tod standen – bis hin zu furiosen Geigentiraden bietet dieses Werk eine große Vielfalt an Klangfarben. Denn wie es im Schlusschor heißt: „Wer Gott vertraut, stets auf ihn baut, den wird er ewig schützen.“

Das Ensemble Agrifoglio ist ein Projektensemble, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Konzerte in historisch informierter Aufführungspraxis in den ländlichen Raum der Altmark und die umliegenden Gebiete zu bringen. Die Musiker spielen auf Nachbauten historischer Instrumente und beziehen dabei die örtlichen Gegebenheiten – darunter die in den Kirchen vorhandenen Orgeln – gerne mit ein.
Das Ensemble wurde von Carl Franke gegründet und setzt sich aus Studierenden, Jungstudierenden sowie Mitgliedern des Michaelsteiner Jugendbarockorchesters BachsErben zusammen.
Programm
Mika Ruben Stähle (*1999) – Hertz und Augen müssen weinen Dietrich Buxtehude (1637 – 1707) – Jesu meines Lebens Leben BuxWV 62 Johann Christoph Bach (1642 – 1702) – Herr, wende dich und sei mir gnädig
Es musiziert: Ensemble Agrifoglio | Künstlerische Leitung: Carl Franke Sopran: Clara Friederike Mehnert (Leipzig) | Alt: Sophia Etzold (Weimar) | Tenor: Mika Ruben Stähle (Konstanz/Trossingen) | Bass: Carl Franke (Weimar/Hannover/Salzwedel)
Die Konzerte finden am Osterwochenende, am 3. und 4. April 2026, in der Altmark und im Wendland statt. Der Eintritt ist frei – wir möchten die Musik möglichst vielen Menschen zugänglich machen. Um Reise- und Übernachtungskosten der Musikerinnen und Musiker zu decken, sind wir jedoch auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Wer das Ensemble Agrifoglio fördern möchte, ist herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen.
Clara Friederike Mehnert

Aufgewachsen in einer musikalischen Familie, erhielt Clara Friederike Mehnert früh eine umfassende musikalische Ausbildung. Neben Klavier- und Violinenunterricht begann sie im Alter von 11 Jahren mit Gesangsunterricht und sammelte viel Erfahrung im Chor- und Ensemblegesang. Erste solistische Erfolge erzielte die Sopranistin beim Bundeswettbewerb „Jugend Musiziert“ . Seit 2022 studiert sie Schulmusik an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig und vertieft dort ihre gesangliche Ausbildung bei Kristian Sørensen und Prof. Eva Kirchner. Im Rahmen eines Erasmus-Aufenthalts studierte Clara Friederike Mehnert 2024 ein Semester bei dem irischen Tenor Gavan Ring an der MTU School of Music. In ihrer regen Ensembletätigkeit sang sie in den vergangenen Jahren in Vokalensembles, wie dem Sächsischen Vocalensemble, Ensemble Lachrymae und dem Kammerchor Josquin de Préz.
Clara Francke

Clara Francke erhielt zwischen 2016 und 2019 klassischen Gesangsunterricht bei Miriam Büttner-Mühlenberg. In dieser Zeit nahm sie mehrfach am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil, der sie in den Kategorien Duo Kunstlied und Alte Musik bis in den Landeswettbewerb führte. Clara Francke ist Mitglied der Kantorei Salzwedel, mit der sie Erfahrungen im Singen chorsymphonischer Musik von Barock bis Romantik sammelt. Während ihres Jurastudiums vertiefte sie ihre gesangliche Ausbildung an der Musikschule „Dimitri Schostakowitsch“ in Berlin-Lichtenberg.
Mika Stähle

Der Konstanzer Tenor, Cembalist und Komponist Mika Stähle verbindet wissenschaftliche Forschung mit musikalischer Praxis und widmet sich besonders der Wiederentdeckung wenig bekannter Werke. Er studierte Gesang bei Jan Van Elsacker sowie Cembalo und Generalbass bei Prof. Marieke Spaans, Prof. Carsten Lorenz und Dieter Weitz an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen und schloss sein Studium 2026 mit Auszeichnung ab. Als Tenor konzertierte er unter anderem beim Festival Trondheim Barokk (2024), mit dem Europäischen Hanse-Ensemble unter der Leitung von Manfred Cordes sowie mit La Protezione della Musica. Er ist auf mehreren CD-Einspielungen, unter anderem mit dem Orkester Nord (Trondheim), vertreten und wird 2026 beim Athens Baroque Festival auftreten. Als Cembalist tritt er solistisch und als musikalischer Leiter verschiedener Ensembles auf und gründete das Barockorchesters Costnitz Barock. Zudem war er Lehrer für Generalbass an der Hochschule für Musik Trossingen und ist seit 2024 Mitherausgeber der musikwissenschaftlichen Zeitschrift Der forschende Musicus. Neben seiner Konzerttätigkeit widmet sich Mika Stähle dem Komponieren und Aufführen eigener Werke mit renommierten Musikerinnen und Musikern. Zuletzt wurde ein von ihm komponierter Opernprolog zu Telemanns “Pimpinone” in Hamburg, Bremen und Leipzig uraufgeführt. Heute erklingt seine Kantate “Hertz und Auge müssen weinen”
Sophia Etzold

Sophia Etzold studierte bis 2025 an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar in der Klasse von Prof. Myriam Eichberger. Ihr Spiel ist gezeichnet durch eine hohe Musikalität und Präzision. In ihrer Jugend nahm sie mehrfach erfolgreich am Wettbewerb „Jugend musiziert” auf Bundesebene teil. Nach ihrer Ausbildung an der Musikfachschule in Kronach zog es sie für ihr Studium nach Weimar. Hier erhielt sie Unterricht bei renommierten Lehrern, wie Martin Erhardt und Prof. Maurice van Lieshout. Sie ist Gründungsmitglied des Consort Paradizo.
Carl Franke

Der musikalische Weg des Blockflötisten Carl Franke begann in Salzwedel an der örtlichen Musikschule. Bereits in seiner Jugend nahm er erfolgreich in verschiedenen Kategorien des Wettbewerbs Jugend musiziert teil. Sein Bachelorstudium absolvierte er an der Hochschule für Musik Weimar in der Klasse von Prof. Myriam Eichberger. Ergänzend besuchte er Kurse bei Lehrenden wie Martin Erhardt, Prof. Leonard Schelb und Andreas Helm, uvm. die seine Ausbildung wesentlich erweiterten. Besonders prägend war die Arbeit mit dem Jugendbarockorchester Bachs Erben unter Raphael Alpermann. Heute konzertiert Carl Franke regelmäßig als Blockflötist im gesamten Bundesgebiet sowie in Italien und den Niederlanden. In den vergangenen Jahren trat er zudem häufiger als Sänger in Erscheinung. Als Tenor und Bass wirkte er unter anderem mit der Capella Worbiensis und im Teatro della Musica des MusicMosaic Vicenza mit. Darüber hinaus ist er im studentischen Ensemble All’Packa als Cembalist aktiv. Ein Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit liegt auf der barocken Verbindung unterschiedlicher Ausdrucksformen. Neben seinem Wirken als Musiker beschäftigt er sich daher auch mit historischem Tanz. Außerdem gehört er zum Team der Masterclasses MusicMosaic Weimar und war bis 2026 Mitglied des Consort Paradizo. Auch ist er immer wieder auf der Suche nach wenig bekannten Quellen in verschiedenen Archiven Europas zu Gast. Im Jahr 2026 gründete er die Ensembles “Agrifoglio” und “Musica Vagabunda” – ein Ensemble mit Fokus auf historischer Improvisation. Er studiert aktuell im Master an der HMTM Hannover in der Klasse von Prof. Tabea Debus und strebt ein weiteres Studium in historischem Gesang an. 3
